Der YOU!gendkirche-Adventskalender

 

Immer Weihnachten,
überall Betlehem;
davon träume ich!
Gedanken werden zu guten Taten,
Worte heilen Wunden,
Liebe überwindet Grenzen,
Hoffnungen keimen in Köpfen,
Glauben verleiht Flügel,
Begegnungen finden statt,
Selbstlosigkeit ermöglicht Gemeinsamkeit,
Träume werden Wirklichkeit
in jedem Augenblick!
Immer Weihnachten,
überall Betlehem;
davon lebe ich!

– aus: Advent und Weihnachten – das große Werkbuch

Gott wird dann in uns geboren,
wenn alle Kräfte unserer Seele,
die vorher durch Gedanken,
Bilder und was es auch sei
gebunden und gefangen waren,
ledig und frei werden
und in uns alle Absicht zum
Schweigen kommt.

– Meister Eckhart

 

Wie soll ich dich empfangen?

Alles ist getan. Das Haus trägt einen Sonntagsstaat, Duft von frischem Brot erfüllt die Räume, der Wein ist eingeschenkt. In mir kribbelt es erwartungsfroh, bevor wir uns treffen. Was brauchen wir mehr? Eine Prise Zeit. Ein Paar offene Ohren. Grüne Zweige. Ein ungeteiltes Herz. Habe ich doch auch alles da. Also komm: Sei du mein Gast.

aus: „Der andere Advent“, Ausgabe 2012/2013

 

Vorfreude

Obwohl Honigessen etwas sehr Gutes ist,
was man tun kann, gibt es doch einen Augenblick,
kurz bevor man anfängt den Honig zu essen,
der noch besser ist als das Essen.

– Pu der Bär

Dankbar!

Früh wach – lebendige Kinder
Haus voller Unordnung – ein Dach über dem Kopf
Schon wieder Regen – gut für den Garten

Der tägliche Einkauf – Versorgung gesichert
Berge von Wäsche – genug zum Anziehen
Stapel von Abwasch – Alle sind satt

Bus verpasst – geschenkte Zeit
Jede Menge Lärm – Menschen um mich her
Erschöpft ins Bett – Ein Tag voller Leben!

Amen

– aus: Der andere Advents, Ausgabe 2016/2017

 

 

Das göttliche Versteckspiel

Eines Tages rief Gott alle seine Engel zusammen und sagte: „Ich möchte mit den Menschen Versteck spielen. Sagt mir, wo ich mich am besten verbergen kann.“

Die Engel berieten. Einige sagten, in der Tiefe des Ozeans, andere auf dem höchsten Berggipfel, wieder andere, auf der erdabgewandten Seite des Mondes und die ganz modernen meinten, am besten auf einem fernen Stern. Doch Gott schüttelte den Kopf. „Früher oder später werden sie mich dort mit all ihren Teleskopen, Unterseebooten und Expeditionen entdecken.“

Nach einer langen Pause meldete sich der Engel Gabriel: „Ich glaube, ich habe einen Ort gefunden. Verbirg dich im menschlichen Herzen. Es ist ganz nah und ganz fern zugleich und es ist mit Sicherheit der letzte Ort, wo sie dich suchen werden.“ Und Gott antwortete: „Ja, genau das werde ich tun. Sie entdecken mich eher im Meer und in den Tiefen des Weltraumes als in ihrem eigenen Herzen. Aber sollte mich dort wirklich einer suchen, will ich mich auch finden lassen.“

aus: „Auf der Suche nach Gott“ – das neue Jugendgebetbuch

 

Einfach da

Immer denken wir, das Wesentliche müsse durch unsere Hände gemacht werden, wenn etwas Entscheidendes in unserem Leben sich ereignen solle, müssten wir etwas tun. Von früh bis spät sind wir bemüht, uns wichtig zu nehmen, immer angehalten von dem Glauben, dass es auf uns ankomme und dass wir Wesentliches verpassen würden, täten wir dieses oder jenes nicht.
So geht der Alltag dahin, so verrinnen die Tage, so entschwinden die Jahre. Aber wer eigentlich sind wir? Wieviel Schönheit wird überlagert durch all das, was wir glauben an Pflichten erledigen zu müssen! Wieviel von der Zauberkraft unseres Herzens geht zugrunde an all dem Gestampfe, Gerenne, Getrete und Gelaufe in unserem Leben, am Platzbehaupten, Hinterherlaufen, Sich-selber-vorweg-Sein! Wär‘ es nicht möglich, es reifte das, was wir sind, in unserer Tiefe, und wir könnten’s gar nicht erklügeln, nicht beschließen, es wäre nur einfach da?

– Eugen Drewermann

 

glücklich ihr atheisten!
ihr habt es leichter
euch wirbelt kein gott
aus der bahn des schlüssigen denkens
kein glaube wirft schatten
auf eure taghelle logik
nie stolpert ihr
über bizarre widersprüche
kein jenseits vernebelt euch
die konturen der welt
nie seid ihr berauscht
von heiligen hymnen und riten
nie schreit ihr vergeblich
nach einem göttlichen wunder
oder stürzt ab ins dunkel
blasphemischen betens –
glücklich ihr atheisten!
 
gern wäre ich einer von euch
jedoch jedoch: ich kann nicht
 
– Kurt Marti

 

Veni Creator Spiritus

Hierher, Atem, zünd mich an,
schick aus deiner fernsten Ferne
Wellen Lichts.
 
Komm Armeleutevater
komm oberster Mundschenk
komm Herzensjäger.
 
Bester Tränentrockner
lieber Seelengast
mein Freund mein Schatten.
 
Einmal ausruhen
für Grübler und Geschundene,
du, Atempause den Verkrampften.
 
Unerträglich schönes Licht
überschütte den Abgrund
meines Herzens, du Vertrauter.
 

– Huub Oosterhuis

 

Ob mit anderen gemeinsam oder ganz für sich,
ob im Trubel oder in der Stille…
„Ebnet den Weg für den Herrn“ – Joh 1,13

 

Reden die Sterne?

Vater
reden die Sterne
fragt das Kind
Während ich nachdenke
über die Frage
beginnt das Kind
mit den Sternen zu reden
und die Stern
erzählen ihm herrliche
Geschichten

– nach Habib Bektas

 

Zeit zum Reden

Wenn mich ein Freund ruft von der Straße her
und seinen Gaul vielsagend halten lässt,
dann stell ich mich nicht hin und schau
auf all die nicht gehackten Hügel
und ruf von wo ich bin: Was gibt’s?
Nein, nicht wenn Zeit zum Reden ist.
Ich stoß die Hacke in den weichen Grund,
das Blatt nach oben, fünf Fuß lang,
und trotte los: Ich geh zum Steinwall
auf freundlichen Besuch.

– Robert Lee Frost

 

 

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

 

Was ich Dir zum Advent schenken möchte:
Einen Orgelton wider den finsteren Morgen,
meinen Atem gegen den Eiswind des Tags,
Schneeflocken als Sternverheißung am Abend
und ein Weglicht für den verloren geglaubten Engel,
der uns inmitten der Nacht die Wiedergeburt
der Liebe verkündet.
 

– Christine Busta

 

Alles still!

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

– Theodor Fontane

 

Johannes der Täufer verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
Ich habe euch nur mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

– Mk 1,7-8

 

Gezeiten der Liebe

Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die gleiche Weise. Das ist unmöglich. Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten von uns fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren, Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab – in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.

– Anne Morrow Lindbergh

 

Bist du es,
der da kommen soll,
oder sollen wir auf
einen anderen warten?

– Matthäus 11,3

 

Ich weiß nicht,
wer Du bist,
ich weiß nicht,
wie Du bist,
ich weiß nicht,
wo Du bist.

Aber ich weiß, o Gott,
dass ich mir
abhandenkomme,
wenn ich Dich
nicht suche.
Amen.

– Bernhard Meuser

 

Sechs:

Nikolaus? Weihnachtsmann? Beides? Was denn nu?
Das sagt Rolf Zuckowski dazu…

Und ihr? ;)

Die YOU!gendkirche wünscht einen gesegneten Nikolaustag! ;)

 

Ein Wort

Du kannst in einer bestimmten Stunde und für bestimmte Menschen zu einem Wort werden oder doch wenigstens in die Nähe dessen kommen, was an dir Wort wäre. Ein Wort sein, das kann so aussehen, dass ein Mensch durch dich und das, was du ihm sagst, ermutigt wird, dass er Trost findet, dass er ein Stück Freiheit findet, dass er seinen Schritt in der nächsten Stunde mit mehr Vertrauen setzt. Wenn du zu einem Wort geworden bist, dann gehen Liebe und Klarheit, Vertrauen und Zuversicht aus von dir für jeweils den Menschen in deiner Nähe, der ohne ein solches Wort an seinem Leben und Schicksal verzagte. Und vielleicht begegnet dir in einer guten Stunde auch selbst ein Mensch, von dem du empfindest: Was der mir sagt, kommt weiter her als nur von diesem Menschen. Er ist – für mich – das Wort, das mich meint.

– Jörg Zink

 

Kommt, meine Freunde,
Noch ist es nicht zu spät,
Drum lasst uns neue Welten suchen!
Denn dies hab ich mir vorgenommen,
Als Segler überquere ich den Horizont.
Und wenn uns auch die Kräfte fehlen,
Erd‘ und Himmel zu bewegen, so blieb uns eins:
Das Temperament von Heldenherzen,
Das Zeit und Schicksal zwar geschwächt,
Doch das sich nie beirren ließ,
Zu streben, suchen und zu finden…
Und niemals aufzugeben.

– Tennyson

 

„Reiß doch den Himmel auf und komm herab“ – Jes. 63, 19b

Wo oder wann reißt für mich der Himmel auf?

Mehr heute Abend in der Adventsandacht mit der YOU!gendkirche um 17 Uhr in der kath. Kirche Ewersbach :)

 

Man müsste mal wieder Quatsch machen,
man müsste mal wieder laut lachen,
man müsste mal wieder lustig pfeifen,
man müsste mal wieder nach den Sternen greifen.

Man müsste mal wieder einfach verreisen,
man müsste mal wieder auf alles werfen,
man müsste mal wieder spazieren gehen,
man müsste mal nicht immer nach dem Rechten sehn.

Man könnte ja manchmal einfach was wagen,
man könnte ja manchmal nicht alles ertragen,
man könnte ja manchmal ich selber pflegen,
mehr innen als außen, na meinetwegen.

Ich würd mal wieder gern tanzen im Regen,
ich würd mich mal wieder gerne in eine Wiese legen,
ich würde mal wieder gerne Lieder singen,
ich würde mal wieder gern über Mauern springen.

Lass uns die Zeiger der Uhr anhalten
Und lass uns heut einfach die Zeit ausschalten.

– Thomas Knodel

 

Macht hoch die Tür

Haustüren, Fabriktore, Gartenpforten, Ladentüren – Millionen Türen hat unsere Stadt. Wenn sie alle zugleich geöffnet würden, ginge ein Wind und ein Brausen durch die Häuser, dass nichts an seinem Platz bliebe. Wenn sie alle zugleich ins Schloss fielen, wäre der Knall kilometerweit zu hören. Wenn sie alle zugleich abgeschlossen würden, käme das öffentliche Leben vollständig zum Erliegen.

Millionen Herzen schlagen in unserer Stadt. Wenn wir sie alle hören könnten, wäre das ein nie endendes Konzert. Wenn sie alle zugleich verschlossen wären, dann würde die Stadt grau und kalt. Wenn sie sich alle zugleich öffneten, dann…

Ja, dann?

Aus: „Der Andere Advent“, Ausgabe 2013/2014